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Ein Besuch bei den Wölfen

Ein Interview mit Bennie, ein Tierpfleger des Wildparks Schorfheide


 

Hier kannst du Spannendes über folgende Themen lesen:

1. Wildfang, können Sie das bitte erklären? >>>

2. Naum, der Wolf mit drei Beinen >>>

3. Was ist das, ein Alphawolf? >>>

 

Seit wann haben Sie mit Wölfen zu tun?

Mit Wölfen habe ich jetzt seit dreieinhalb Jahren zu tun, seitdem ich hier tätig bin. Wir füttern sie, versorgen sie, kümmern uns ums Gehege und haben jetzt auch schon zweimal Wölfe mit der Flasche aufgezogen.

 

Wie lange gibt es hier schon Wölfe?

Im Wildpark haben wir sie seit 1998. Da haben wir mit zwei Wölfen angefangen. Das waren Karl und Mine, beide Handaufzuchten.Wir haben
dann 2001 ein neues Gehege dazubekommen, und zwar mit dem wilden Wolf Naum. Der wurde eingefangen, weil er nur drei Beine hat.

 

Woher kommen die Wölfe?

Die Wölfe haben wir gekauft, aber nicht aus der freien Wildbahn. Bei den Wölfen ist es nämlich so, sie sind vom Aussterben bedroht und deshalb darf man keine Wildfänge halten.

 

1. Wildfang, können Sie das bitte erklären?

Beim Wildfang ist es so, die Tiere kommen aus der freien Wildbahn, werden in der Natur eingefangen und dann in ein Gehege gebracht. Dadurch dass die Tiere vom Aussterben bedroht sind, werden in Zoos generell nur noch Tiere gehalten, die aus anderen Zoos kommen. Mit dem Naum, dem Wolf mit drei Beinen, ist es noch eine andere Sache, weil der ein wilder Wolf war. Durch seine Behinderung konnte er kein richtiges Wild mehr jagen. Deshalb hätte er wahrscheinlich auch Haustiere angegriffen. Die Gefahr bestand, dass er von Jägern geschossen wird.

 

2. Können Sie uns etwas über Naum erzählen?

Das Tier kommt aus Osteuropa und lebte früher wild. Es ist extrem groß, ein wunderschönes Tier,mit großem Kopf, relativ kräftiger Muskulatur. Das ist bei ihm so: Vom Knie an fehlt ihm hinten ein Bein. Entweder war
es ein Auto, oder eine Falle. Ich glaube eher, eine Bärenfalle, das ist genau die Höhe, wo es ab ist. Man kennt die vom Film, sie sind aus Eisen, wenn das Tier reintritt, dann fallen sie zu und halten es fest. Die sind
eigentlich verboten. Das Tier wird gequält und stirbt elendig mit Schmerzen. Aber Naum hat es überlebt!

 

Wie alt ist er?

11 oder 12 Jahre alt, es ist schwer zu sagen. Das kann man an den Zähnen festmachen, aber er hat viele Zähne verloren. Er war eine Zeit lang anderswo untergebracht, er wollte weg und hat versucht, den Zaun durchzubeißen, und dabei hat er viele Zähne verloren. Er ist sehr durchsetzungsfähig, er ist auch Alphawolf.

 

3. Was ist das, ein Alphawolf?

Bei einem Wolfsrudel ist es so wie in der Schulklasse. Es gibt Leute, die spielen den Chef, das sind die so genannten Alphatiere, dann gibt es Leute, die in der Mitte sind, die Mitläufer, die Betatiere und dann gibt es die Omegatiere, das sind die Prügelknaben, die, die in der Schule
immer gehänselt werden... So ist ein Wolfsrudel aufgebaut. Also der dreibeinige alte Wolf mit wenig Zähnen ist Chef in seinem Rudel.

 

Wie erkennt man Alphawölfe?

Es sind nicht immer die größten oder die stärksten, es ist wie beim Menschen, es sind die mit der größten Klappe. Sie puschen die anderen. Das ist wichtig, Leute hinter sich zu haben. Wir erkennen sie auch am Schwanz: Wenn der Schwanz hoch ist, sind sie Chefs, wenn er eingekniffen ist, haben sie Angst.

 

Gibt es noch andere Unterschiede?

Ja, da hat jeder seine wichtige Funktion.Wölfe wollen sich auch fortpflanzen. Das können sie aber nur, wenn sie Chef in einem Rudel sind. Die anderen kümmern sich dann mit um die Kinder.

 

Ist der Naum nett oder böse?

Kann man so nicht sagen. Die Alphatiere sind ein bisschen böser, weil sie aufpassen müssen, dass man ihren Platz nicht einnimmt. Die Männchen schreien, brüllen, knurren und machen sich groß, aber eigentlich passiert gar nichts. Es ist nur Getöse. Als Mensch braucht man bei wilden Wölfen keine Angst zu haben, die werden Menschen nie etwas tun.

 

Wie viele Wölfe leben hier?

Wir haben zwei Gehege. 18 Wölfe haben wir insgesamt.

 

Sind es die einzigen Wölfe in Brandenburg?

In ganz Brandenburg gibt es noch frei lebend ein Rudel, unten in der Lausitzer Heide. Da ist ein großer Schießplatz, wo die Armee übt, und sie leben dort, weil da wenig Menschen sind.Wölfe haben Angst vor Menschen, aber nicht vor Fahrzeugen und vor lauten Geräuschen. Ein Auto ist nicht gefährlich. Aber wenn man aus dem Auto aussteigt, dann ist da der Mensch. Und nicht das Auto schießt auf den Wolf, sondern der Mensch mit der Flinte.

 

Was geben Sie den Wölfen zu fressen?

Wir geben nur Fleisch, manchmal ganze Tiere, eine Ziege, oder ein Schaf, aber auch kleine Tiere. Man kann Wölfen alle Tiere geben. Alle sind tot, aber roh.

 

Gehen die Wölfe selbst auf Jagd?

Die Chance haben sie hier nicht.Wir haben viele Vögel,
manchmal finden wir Federn, aber wir geben ihnen nichts ins Gehege zum Jagen.

 

Kriegen sie alle das gleiche?

In der Wildnis kämpfen sie um jedes Stück Fressen. Dort liegt die Sterblichkeit bei Wölfen bei 80%. Viele sterben aber nicht an Nahrungsmangel, sondern an Viruserkrankungen, denn, wenn
sie krank sind, erholen sie sich relativ langsam.

 

Wie alt wird ein Wolf?

Im Gehege war der älteste 19 Jahre. In der freien Natur lebt der Wolf so lange, bis jemand ihn getötet hat. Es kommt auch vor, dass ein alter Wolf aus dem Rudel rausgeschmissen wird. So ein Tier überlebt nicht lange. Im Sommer geht es noch, da fängt er Mäuschen oder irgend so was, aber im Winter sieht es sehr schlecht aus.

 

Gibt es Wölfe mit Behinderungen, welche, die blind oder taub sind?

Ja. Einer schielt zum Beispiel, und dann Naum, der Dreibeinige mit seiner Gehbehinderung, sonst nicht.

 

Wie sehen Wölfe, schwarzweiß oder farbig?

Sehr ausgeprägt sind Schwarzweißsinne, sie passen gut in der Dämmerung. Wölfe sehen vor allem die Bewegungen: Sie können gut erkennen, wenn ein Tier rennt. Sonst ist das Sehen bei Wölfen nicht so gut wie beim Menschen. Also, am Tag sehen Menschen besser, in der Dämmerung Wölfe...

 

Wie hören sie?

Sie hören sehr gut. Und der Geruchssinn ist noch ausgeprägter. Sie ekeln sich vor nichts, auch wenn sie noch viel besser riechen als unsereins. Zum Beispiel auch nicht vor Aas oder Kot: sie erkennen am Kot, was die anderen gefressen haben, ob sie zur Zeit zeugungsfähig sind. Sie können alles aus dem Kot lesen, wir nicht.Wölfe, die seit Generationen im Gehege leben, verringern ihr Hirnvolumen um ein Drittel. Sie verlieren manche Instinkte.